Heimat- und Geschichtsverein Dorste e.V.

Auf der Suche nach unserer geschichtlichen und kulturellen Vergangenheit!

4 Wüstungen

Quellen:
− Kühlhorn, Erhard (Hrsg. (1970): Historisch-Landeskundliche Expansionskarte von Niedersachsen, Blatt Osterode am Harz, Kommissionsverlag August Lax, Hildesheim
− Max, Georg (1862): Die Geschichte des Fürstentums Grubenhagen. Teil 2, Hannover
− Ohainski, Uwe/Udolph, Jürgen (2000): Die Ortsnamen des Landkreises Osterode, Band 40 Niedersächsisches Ortsnamenbuch, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld
− Rösener, Werner (2010): Die Wüstungen des Spätmittelalters und der Einfluss der Klimafaktoren, Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte (ZHG) Band 115

Zur Terminologie des Wüstungsbegriffs:
- Totale Ortswüstung: Der gesamte Ort wurde aufgegeben.
- Partielle Ortswüstung: Nur in Teil des Ortes wurde aufgegeben.
- Temporäre Ortswüstung: ein Ort wurde aufgeben, aber später wiederbesiedelt (z.B. Düna).
- Flurwüstung: Die zu einem Ort gehörige Feldmark wurde aufgegeben

Wüstungen um Dorste


Wüstungsursachen
Für das Wüstwerden zahlreicher Ortschaften in Mitteldeutschland während des Spätmittelalters gibt es laut Rösener (2010) vier Hauptursachen. Da der Zeitpunkt des Wüstwerdens einer Ortschaft nur selten bestimmt werden kann, ist es allerdings schwierig, die Ursache sicher zu bestimmen.

(1) Bevölkerungsrückgang infolge von Seuchen
Dies war anscheinend der wichtigste Grund für die Endsiedlung. Der Hungertyphus führte zu schweren Hungersnöten in den Jahren 1309 bis 1317, die Beulenpest kostete von 1347 bis 1351 ebenfalls vielen Menschen das Leben. Die Bevölkerung ging um rund ein Drittel zurück. Weitere Seuchenzüge schlossen sich in den folgenden Jahrzehnten an. Durch die geringere Nachfrage
brachen die Getreidepreise ein, was die Bewirtschaftung von Grenzertragsböden unwirtschaftlich machte. Solche Böden waren oft teil der Fluren der spätgegründeten Orte im Hochmittelalter (vor allem -hausen, -hagen; auch -feld, -rode). Deren Einwohner übernahmen oft die Bewirtschaftung von verlassenen Höfen in besseren Lagen. Zudem stiegen die Preise für Gewerbegüter, was Dorfbewohner gute Arbeitslöhne in den Städten ermöglichte. Dadurch endsiedelten sich viele Orte im 14. und 15. Jahrhundert.

(2) Der Klimawandel
Die beginnende Klimaverschlechterung mit kalten Wintern und kühlen Sommern war ebenfalls ein Faktor, der die Bewirtschaftung schlechter Flurlagen unwirtschaftlich machte. Diese Verschlechterung war der Vorbote der „kleinen Eiszeit“, die vor allem im 16. Jh. zu starken Ernteausfällen in Europa führte.Im Harzvorland dürfte der Wandel dazu geführt haben, dass die Bauern auf kargen Böden in höheren Lagen auf den Hügeln der Söse, Rhume und Leinetales kein Auskommen mehr hatten und in tiefergelegene Dörfer abwanderten.

(3) Kriege und Fehden
Kriegerische Auseinandersetzungen waren im Mittelalter häufig, doch im Spätmittelalter um die Jahre 1250 bis 1500 häuften sich die Fehden, die zu vielen Kriegszügen in Mitteldeutschland führten. Dies trieb Bewohner kleinerer, schlecht befestigter Dörfer in die Städte und Ortschaften, die über  Befestigungsanlagen (Turmburgen) verfügten. Zudem war man dazu übergegangen, die Landwirtschaft, und somit die Lebensgrundlage des Kontrahenten, zu verwüsten, anstatt lediglich dessen Burgen anzugreifen. In kleinen Orten lohnte sich der Wiederaufbau der Felder zum Teil nicht.

(4) Konzentrationsbestrebungen der Obrigkeit
Schließlich wurde die Konzentration der Bevölkerung von den Landesherren und Klöstern aktiv vorangetrieben, um die Wehrhaftigkeit der Städte und größeren Ortschaften zu erhöhen und die Verwaltung zu vereinfachen.

Die Wüstungen um Dorste
Laut Kühlhorn (1970) gibt es im Gebiet des heutigen Dorste im Vergleich zu anderen Gegenden ausgesprochen viele Wüstungen. Wie aus der Karte ersichtlich, enden die Namen der sieben Dörfern, aus denen der Sage nach Dorste entstanden ist auf "-hausen" und "-hagen".

Die "-hausen"-Dörfer wurden ab 850 durch die Liudolfinger und somit durch ein sächsisches Herrscherhaus gegründet. Die altsächsischen Namen, die den ersten Teil vieler der Ortsnamen bilden, zeigen die Verbindung zum sächsischen Kulturraum.

Die auf -hagen" endenden Wüstungen gehen auf Dörfer zurück, die in einer späteren Phase ab ca. 1200 angelegt wurden. Sie waren weniger Folge eines geplanten Landesausbaus, als vielmehr des Wachstums der Bevölkerung. Im Hochmittelalter (900 bis 1250) hatten das milde Klima und eine relative politische Stabilität zu einem Anwachsen der Einwohnerzahl geführt, für die zusätzlicher Lebens- und Wirtschaftsraum geschaffen werden musste.

Die sieben ehemaligen Dörfer um Dorste lagen zum Teil auf Grenzertragsböden. Im Fall der „-hagen“-Dörfer waren dies die Hügel des weitläufigen Sösetals. Diese Böden waren wahrscheinlich nur unter den klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen des Hochmittelalters rentabel zu bewirtschaften. Die "-hausen"-Dörfer lagen zwar wie die alten Ortschaften zum Großteil im Tal, jedoch ist auch hier anzunehmen, dass ihre Fluren nicht so ertragsreich waren, wie diejenigen der etablierten Ortschaften. Sie wurden zudem infolge des Klimawandels womöglich häufiger von Überschwemmungen durch die Söse (Ellieshusen und Bonehusen) sowie des von Ührde kommenden Baches (Landwardeshusen) heimgesucht.

Infolge der Agrarkrise und der Klimaverschlechterung des Spätmittelalters gaben die Bewohner ihre Höfe auf und siedelten nach Dorste um, wo sie bessere Lebensbedingungen vorfanden. Zum einen lag der Ort verkehrsgünstiger, zum anderen waren wohl auch in Dorste durch Seuchen und Abwanderung in die Städte Höfe und Ackerflächen frei geworden, die von den neuen Einwohnern weiter bewirtschaftet werden konnten.
Dieser Prozess hat wahrscheinlich in der Zeit von 1350 bis 1450 stattgefunden. Genau lässt es sich aber nicht bestimmen, da es für keine der sieben Ortschaften Informationen darüber gibt, wann genau sie wüst gefallen sind. Dies hat damit zu tun, dass sich die Endsiedlung nach und nach vollzog. War ein Dorf stark geschrumpft (nur noch drei bis vier Höfe), drängte womöglich auch die Abgabenempfänger (adelige Familien, Klöster) auf eine Aufgabe, da sich das Eintreiben der Abgaben und der Erhalt der Infrastruktur nicht mehr lohnte.

Eine Aufgabe der umliegenden Orte aufgrund von kriegerischen Handlungen kommt nur im Falle von Mötlingerode infrage. Dieser Ort ist älter als die anderen Wüstungen und bestand auch länger. 1525 soll er im Bauernkrieg zerstört und fortan möglicherweise nicht mehr aufgebaut worden sein. Der Ort gehört nicht zu den sieben Dörfern der Sage, laut Max (1862) sind aber vlt. Einwohner aus Möttlingerode nach Dorste übergesiedelt.

Auch die erzwungene Aufgabe durch den Landesherrn spielt in den Wüstungen des Kartenausschnitts keine große Rolle. Alleine der Ort Sösede wurde vom Kloster Katlenburg womöglich aufgelöst, um die Einwohner in Berka anzusiedeln.

Rückschlüsse für die Geschichte Dorstes
Der Sage nach ist Dorste aus den sieben Wüstungen entstanden, dies ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Wie die Geschichte der Orte und vor allem ihre Namen zeigen, sind sie erst später, im Hoch- und Spätmittelalter entstanden, während die Gründung Dorstes wohl auf das Frühmittelalter (oder sogar noch früher) zurückgeht.

Die ehemaligen Dörfer sind entstanden und wieder eingegangen während Dorste und andere Orte wie Förste, Wulften und Berka bereits existierten. Unzweifelhaft haben sich im Laufe der Endsiedlung der heutigen Wüstungen ihre Einwohner jedoch zum Teil Dorste angeschlossen. Sie haben somit zum Wachsen des Ortes beigetragen und ihn womöglich davor bewahrt, ebenfalls verlassen zu werden.

Eine Entstehung Dorstes aus den umliegenden Wüstungen könnte nur angenommen werden, wenn der Ort tatsächlich temporär wüst war. Dies ist aber zum einen aus den genannten Gründen unwahrscheinlich, zudem passen das Wüstwerden der ehemaligen Dörfer (1350 bis 1450) und die vermeintliche Wiederbesiedlung Dorstes (Angang 16. Jh.) zeitlich nicht zusammen.


Wüstung Ellingeshusen

Ellingeshusen (zuerst Ellinghenhusen; auch Ellingenhusen, Ellinghausen)

Name: Laut Ohainski und Udolph (2000) wahrs. von Ali-, Eli- (altsächs. Name) und -inghausen („bei den Häusern“)

Geschichte: Erstmalig erwähnt im Urkundenbuch des Eichsfeldes 1290, vlt. schon im 10. Jh. als
Hellingeshusen, als Graf Bifo einer Kirche in Gieboldehausen mehrere Wiesen vermachte, u.a. nahe Hellingeshusen; 1512 Tausch einer Wiese nahe des Ortes durch Ludolf von der Linden mit dem Kloster Katlenburg; 1548 Übereinkunft von Grubo von Grubenhagen mit Heinrich von Wolfenbüttel über Grenzen u.a. nahe Ellihausen. Kein Hinweis auf Zeitpunkt der Wüstwerdung.

Lage: Bei einer Ausbesserung der Heerstraße von Nienstedt nach Dorste 1646 wurde der „Ellißhuschen Bach“ genannt, der von Marke kommend in die Söse fließt. An diesem Bach auf Höhe der Straße zwischen Nienstedt und Dorste heißt laut Max eine Wiese „Der Kirchhof“ und deutet auf die Lage des Ortes hin. Zu Fuß seien es von Dorste aus 30 Minuten bis zu der Stelle. Ort ist laut Kühlhorn sicher lokalisiert.


Wüstung Ricmanenshusen

Ricmanenshusen (auch Rikmanshusen, Rückmershausen)

Name: Von Rikman (asä. riki „reich, mächtig, Herrscher“ und asä. man „Mann, Mensch“) und
-husen („bei den Häusern“)

Geschichte: Erstmalig erwähnt 1254. 1321 hatte das Michaeliskloster in Hildesheim in und um das Dorf Besitz. 1358 war der Zehnte des Dorfes ein Hardenbergsches Lehn, das an zwei Osteroder Bürger vergeben war. 1554 hatten die Herrn von Oldershausen grubenhagensche Lehngüter bei dem Ort. 1642 besaßen die Leuthorsts in Dorste Ackerland auf dem „Ribbenshäuser Berge“. Da es sich dabei um einen Flurnamen handelt, bestand der Ort wahrscheinlich nicht mehr.

Lage: Max gibt die Lage des Berges an dem das Dorf gelegen haben soll an mit „eine Viertelstunde
nordöstlich von Dorste, links von der Dorste- Osterodischen Chaussee“. Laut Kühlhorn wurden an der Stelle Scherben gefunden.


Wüstung Thomashagen

Thomashagen (zuerst Thameshagen; auch Thomashagenn, Thomaßhagen)

Name: Wahrs. vom heiligen Thomas abgeleitet (vlt. Namenspatron der Kirche oder Kapelle) und -hagen (ahd. hag, hac, mhd. hag „Umzäunung, umzäuntes Grundstück, Weideplatz, Hecke“); der heutige Flurname Herrbreite, Herrkirche bzw. Herrkerkenborn ist mit der Kirche des Ortes zu verbinden. „Herr“ deutete dabei laut Ohainski und Udolph auf (ehemalige) adlige Grundherrschaft bzw. den Landesherrn, evtl. auch auf Kirchenbesitz hin.

Geschichte: 1519-20 im Subsidienregister des Archidiakonats Nörten erstmalig erwähnt, 1554 wurden die Herren von Oldershausen mit Thomashagen beliehen, 1621 letztmalige Erwähnung, als der Thomashagener Zehnte derselben Familie gehörte. Kein Hinweis auf Wüstwerdung, aber wohl eines der letzten Dörfer auf der Karte, das aufgegeben wurde. Laut Max standen zum Erscheinen seines Buches 1862 noch die Grundmauern der Herrkirche.

Lage: Ohainski und Udolph geben „Ca. 2 km südöstlich Dorste [R <35> 80918 H <57> 28588]“ bei erwähntem Flurnamen an; Ort laut Kühlhorn sicher lokalisiert.


Wüstung Lanwardeshusen

Landwardeshusen (zuerst Lantwarderhusen; auch Langeshausen, Langelsen)

Name: Wahrs. von Landward (altsächs. Name) und -husen („bei den Häusern“)

 Geschichte: 1256 erstmals erwähnt, weitere Nennungen bis 1590, danach nur noch als Flurname (Langelshäuser Feld, Langelshäuser Berg). Zeitpunkt des Wüstwerdens nicht bestimmbar.

Lage: Ohainski und Udolph geben „Ca. 1,8 km östlich Dorste [R <35> 81600 H <57> 29800]“ an, laut Kühlhorn sicher lokalisiert, wobei es keinen formellen Beleg gibt, dass es sich bei den Scherbenfunden um Landwardeshusen handelt.


Wüstung Bonenhusen

Bonenhusen (zuerst Bunishusun; auch Bodenhusen, Badenhausen)

Name: Von Buni- (Etymologie umstritten, vlt. von „Boden“) und -husen („bei den Häusern“)

Geschichte: Erstmalig erwähnt 990 in Urkunden Otto des III., Nennung 1238 in Zusammenhang mit einem Herrn Heidenricus von Bonenhusen, 1313 Nennung zusammengestellt mit dem benachbarten Ricmanshusen. Schenkung einer Wiese nahe Bonenhusen durch die Brüder Philipp und Dietrich von dem Diste an das Kloster Katlenburg im Jahr 1404. Hinweise auf die Wüstwerdung gibt es nicht.

Lage: Max weist auf die bis heute gültige Bezeichnung einer Flur nahe des Lichtensteins als „Badenhäuser Feld“ und einer Wiese unterhalb des Lichtensteins als „Badenhäuser Wiese“ hin, was einen Hinweis auf die Verortung gibt. Ohainski und Udolph geben „ca. 2,3 km nordöstlich [von] Dorste“ bei R <35> 80710, H <57> 32191 an, sind sich aber nicht sicher. Die genaue Lage ist somit unklar. Da es an der Söse häufig zu Überschwemmungen kam, wird eine Lage etwas oberhalb der als „Bandenhäuser Wiese“ bezeichneten Flur Richtung Lichtenstein hin angenommen.


Wüstung Ellingerode

Ellingerode (auch Eldingerode, Edingerode, Zellierode)

Name: Ungewiss, da bislang keine Untersuchung

Geschichte: Erstmalig erwähnt 1290, als Albert von der Rume alle seine Güter in Ellingerode verkaufte. Weitere Nennungen 1311 und 1318. Wahrscheinlich eine im Vergleich zu den anderen beschriebenen Wüstungen frühe Gründung (ab 850), da die Endung „-rode“ auf eine fränkische Gründung hinweist. Hinweise auf die Wüstwerdung gibt es nicht.

Lage: Max weist auf die bis heute gültige Bezeichnung einer Flur nahe Dorste als „Auf dem Zellierode“ hin und stellt eine Verbindung zum Ort Ellingerode her. Ob es sich tatsächlich um diesen Ort handelt, und ob die Lage korrekt ist, lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei sagen.


Wüstung Helmodeshagen

Helmoldeshagen (zuerst Helmoldeshagen; auch Helmoldeshein, Helmolzhagen)

Name: Wahrs. von Helmold (niederdeutsche Weiterentwicklung des alts. Namens Helmwald) und -hagen (ahd. hag, hac, mhd. hag „Umzäunung, umzäuntes Grundstück, Weideplatz, Hecke“)

Geschichte: 1305 erstmalig im Zusammenhang mit dem örtlichen Pfarrer erwähnt; 1330 schenkte Ludolf von Medehem dem Kloster Katlenburg einen Hof in Helmoldeshagen. Weitere Höfe waren durch das Kloster Paderborn an die Herrn von der Söse, von Uslar und von Spiegel verlehnt. 1569 weitere urkundliche Nennung (als Helmoldeshein), aber kein Hinweis darauf, ob der Ort damals schon wüst war.

Lage: Ohainski und Udolph geben „Ca. 2 km südlich Dorste [R <35> 79452, H <57> 28246]“ beim heutigen Flurnamen „Der Helmshagen“ (auch Helmholzhagen und Helmshagen Weg); laut Kühlhorn am Sonnenberg gelegen, aber nicht zu lokalisieren.


Wüstung Oldehagen

Oldehagen (auch Altenhagen)

Name: Ungewiss, da bislang keine Untersuchung, wahrs. von Old- (alt) und -hagen (ahd. hag, hac, mhd. hag „Umzäunung, umzäuntes Grundstück, Weideplatz, Hecke“)

Geschichte: 1280 erstmals in einer Urkunde erwähnt, nach der das Kloster Katlenburg eine Hof bei dem Alten Hagen und eine bei dem Neuen Hagen hatte. Um 1400 soll das Dorf bereits eingegangen sein. 1569 erscheint der Name nochmals, jedoch bereits als Flurname für ein Waldstück.

Lage: Max zufolge lag der Ort auf der heutigen Feldmarkgrenze zwischen Berka und Dorste rund eine Viertelstunde Fußweg von Dorste aus Richtung Marke.


Wüstung Neuenhagen

Neuenhagen

Name: Ungewiss, da bislang keine Untersuchung, wahrs. von Neu- und -hagen (ahd. hag, hac, mhd. hag „Umzäunung, umzäuntes Grundstück, Weideplatz, Hecke“)

Geschichte: Möglicherweise wurde der Ort laut Max in einer Urkunde von 1270 zusammen mit Marke und Ellingeshusen erwähnt, sicher ist dies allerdings nicht.

Lage: Formale Berichte über die Lage gibt es nicht, allerdings ist in Dorste bekannt, dass Richtung Schwarzes Holz am Brunekesberg ein Dorf gelegen haben soll. An der Stelle haben bis ins 20 Jh. hinein Dorfbewohner noch ihre Gärten gehabt.


Wüstung Möttlingerode

Möttlingerode (zuerst Motleuingerod, auch Metlingerode, Mittelingerode)

Name: Vom germ. Namen Mod-lain (enthält got. mods, dt. Mut, und -le:-, dt. Nachgelassene) und ingerode (Rodung)

Geschichte: 990 erstmals genannt, weitere Nennung 1257, als zum Dorf gehöriges Land an das Kloster in Osterode ging. 1258 und 1354 werden die jeweiligen Pfarrer des Ortes in Osterode Klosterurkunden genannt. Möglicherweise wurde das Dorf im Bauernkrieg zerstört und war fortan wüst. Spätestens jedoch 1554 bestand der Ort nicht mehr, worauf die Nennung als „by der metlingeröder kerken“ hinweist.

Lage: Laut Ohainski und Udolph rund 3 km südwestlich Osterode [R <35> 83706 H <57> 32617]. Eine Wand der ehemaligen Kirche ist heute noch von der Bundesstraße 241 auf der Höhe des Gesundbrunnens gut sichtbar.
Der Ort gehört der Sage nach nicht zu den Dörfern, aus denen Dorste entstanden ist. Jedoch gibt es laut Max Vermutungen, dass einige Einwohner nach Dorste übergesiedelt sind, da Felder und Wiesen an die Dorster Feldmark grenzten.


Wüstung Wanemaghere

Wanemaghere (zuerst Wanemaghere, auch Wanemagere)

Name: Von altsächsisch wanam, wanom, wanum (schön, hell, glänzend) und asä. Angar (Anger, freie Fläche, Grasland, an einer Flußkrümmung liegender Grasstreifen), wahrs. waren die häufig nassen Wiesen an der Ruhme namensgebend.

Geschichte: Erstmalige Nennung in einer Urkunde des Klosters Katlenburg im Jahr 1105. 1321 tauschten die Herren von Susa ein Stück Land bei dem Ort. 1324 gab Bartold von Susa seine Ansprüche auf ein Gebiet in dem Ort auf. 1355 und 1457 Nennungen von Wiesen in der Nähe Wanemangere, die allerdings keinen Hinweis darauf geben, ob der Ort damals noch bestand. Spätestens 1525 wüst (s.u.).

Lage: Genaue Lage ist ungewiss. Laut Max Lage an der Rhume nahe Elvershausen. Auch der Ortsname (glänzendes [daher feuchtes] Grasland) lässt auf eine Lage nahe des Flusses schließen.

Auch dieser Ort gehört nicht zu den Gründungsdörfern Dorstes. 1525 wurden Flurstücke der Wüstung allerdings von Dorste aus genutzt. Daher kann es sein, dass zuvor Einwohner übergesiedelt waren.



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