Heimat- und Geschichtsverein Dorste e.V.
Auf der Suche nach unserer geschichtlichen und kulturellen Vergangenheit!

Bild des Monats

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Schlägerei auf der Burgwiese
Von Heinrich Töpperwien, Dorster Lehrer, veröffentlicht in „Haus und Schule", Hannover , 1873.
»Östlich vom Dorfe erhebt sich der Moosberg und von ihm durch ein tiefes, enges Tal getrennt, der Lichtenstein. Während auf jener Seite der Sandstein und der Tannenwald vorherrscht, sehen wir auf dieser nur Gipskalk und Buchenwald.
Durch die tiefe, enge Rinne, welche beide Höhen voneinander trennt, führt die Straße von Northeim nach Osterode. An der Nordseite des Lichtenstein steigt steil vom Ufer der Söse ein zuckerhutförmiger Berg über das ganze Waldrevier des Lichtensteins auf, von dem die weite Forst überhaupt den Namen Lichtenstein führt.
Auf der Spitze des Berges finden wir noch heute ziemlich bedeutende Spuren einer alten Ritterburg und der Wallgraben ist noch deutlich zu sehen. Die Sage erzählt, daß dieser Graben auf geheimnisvolle Weise drunten aus der Söse mit Wasser gefüllt wurde, was glaublich genug erscheint, da der Kegel weit und breit
der höchste Punkt ist.
Einige Schritte unterhalb und südlich der Ruinen liegt die ganz von Wald umschlossene kräuter- und blumenreiche Burgwiese, die, so einsam sie das ganze Jahr über daliegt, doch alljährlich am Himmelfahrtstage ein buntes Menschengewühl aus den nahen Dörfern und der Stadt Osterode auf sich versammelt.

Die beiden Dörfer Dorste und Förste und ihre Bewohner spielen bei dem Volksfeste die Hauptrollen, während die übrigen Anwesenden meistens als passive Zuschauer geduldet werden. Und dabei stehen sich die Letzteren wahrlich nicht schlecht, denn während die Dorster und Förster selten ohne blutige Köpfe heimfahren von diesem Feste, gehen diese immer mit heiler Haut und dem Bewusstsein: Wir Osteröder, Eisdorfer und Schwiegershäuser sind doch bessere Menschen! in ihre Hütten zurück. - Seltsam! - Was Dorste an seiner Westgrenze gen Berka eingebüßt zu haben scheint, das hat es vielleicht nach Nordost wieder gewaltsam zu sich genommen; wenigstens behaupten das die Förster im Bezug auf den Dorster Gemeindewald Lichtenstein, der ganz nahe sich bis an das Dorf Förste ausdehnt.
Und während zwischen Berka und Dorste sich der alte Groll in der Sage vom meineidigen Hirten Warnecke Luft gemacht hat, erfolgt hier allmählich zwischen Dorste und Förste am Himmelfahrtstage die Ausgleichung mehr handgreiflich, nämlich in einer stereotypen
Prügelei, an der sich Jung und Alt gewissenhaft zu beteiligen pflegt.

Zu Zeiten meiner Jugend wenigstens hielt man diese Himmelfahrtsprügelei für einen so w e s e n t l i c h e n Bestandteil des Himmelfahrtsfestes, daß jeder unbefriedigt auf das Fest zurückgeblickt haben würde, wenn diese einmal wegen ungünstiger Umstände nicht zu Stande gekommen wäre.
Die Schuljugend bildete zu der später sich entwickelnden Schlacht die Plänkler und Tirailleure. Zwei struppige Burschen von hüben und drüben brauchten sich nur in die Haare zu fallen, und man konnte versichert sein, daß Jung und Alt, wie von einer Schneelawine ergriffen, in kurzer Zeit in den Kampf verwickelt war. Der Kampf wurde bisweilen so allgemein und heftig, daß der ganze Auftritt einer Schlacht im altertümlichen Stile nicht unähnlich sehen möchte. Es floß meistens viel Blut und es kamen nicht selten lebensgefährliche Verwundungen vor. Meistens endete der Kampf damit, daß die eine Partei bis in ihr Dorf hinein in die Flucht geschlagen wurde. Die anwesende Gendarmerie war selten im Stande, den Kampf zu unterdrücken. In der Regel mußte sie mit Prügel von beiden Seiten abziehen.

Zu meiner Freude höre ich, daß der rohe Unfug jetzt gänzlich abgestellt ist und einem friedlichen Volksfeste hat Platz machen müssen.
Was allen polizeilichen Verboten und den scharfen Säbeln der Gendarmen nicht gelang, das brachte der Lehrer von Dorste (und warum soll ich den Namen verschweigen), das brachte der College von Werder zu Stande. Er ging zu seinem Collegen Schlösser in Förste und besprach sich mit ihm wegen der Abstellung des gräulichen Unfugs. Sie kamen sich beide in ihren Wünschen und Ansichten entgegen, stellten ihren Schülern in warmen Worten das
Unwürdige des alten rohen Herkommens unter die Augen und drohten ihnen die ernstlichen Strafen an, falls sich irgend ein Knabe erlauben würde, Anlaß zum Streite zu geben. Aber damit begnügten die beiden Lehrer sich nicht. Auf beiden Seiten wurde eine Anzahl von schönen Liedern eingeübt, und als der Himmelfahrtstag kam, führten die Lehrer ihre Kinder selbst nach der Burgwiese. Zahlreicher als je waren auch die Alten erschienen, mit Spannung der Dinge harrend, die da kommen sollten.
Die Kinder sangen wunderschön zusammen, daß es lieblich über den schönen Wald dahin zog; dann ordneten die Lehrer gemeinschaftliche Spiele an und alles verlief ohne den geringsten Schatten von Streit. Als die Alten sahen, wie froh und harmlos die Jugend sich tummelte, mischten sie sich auch friedsam und vertraulich unter einander und jeder meinte, ein so schönes Fest und eine so liebliche Freude habe man hier sein Lebtag noch nicht gehabt. Und Christian Armbrecht sagte zu seinem erbittertsten Feinde in Förste, den Wilhelm Pusecker, der ihm vor einem Jahre einen kräftigen Denkzettel: angehängt, den er an diesem Tage eigentlich reichlich quitt zu machen gedachte: »Hör mal Pusecker, eigentlich bin ich dir vom vorigen Jahre noch eine junge Hainbuche schuldig, aber wir wollen’s nun dabei gut sein lassen." Dabei reichte er ihm die Hand und trank ihm mit einem Glase Bier zu und fuhr fort: »Weiste wat, Willem, ole Junge, wäi unn ause
Oln sind doch eigentlich recht dumme Schapsköppe ewest, dat wäi ösch sau mannich leiwe Jahr en Brägen inneschlahn hewwet. Weiste wat, et is doch nich wahr, wat däe Pastüre mannichmal segget, datet alle Dage schlechter in. der Welt wörre! Wer härre dat edacht!«. «
»Hoffentlich wird die alte Rohheit und die hundertjährige Feindschaft für immer begraben sein.«, so Töpperwien abschließend. 











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